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Power to the workers!

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Der Freitagnachmittag stand im Zeichen neuer Strategien der Gewerkschaftsarbeit. Valery Alzaga von der US-amerikanischen Dienstleistungsgewerkschaft SEIU erläuterte den Delegierten die Möglichkeiten von Organizing.

Organizing ist eine neue Form gewerkschaftlicher Kampagnenarbeit, bei der Auszubildende und Beschäftigte motiviert und befähigt werden, selbst für ihre Interessen aktiv zu werden. Durch betriebliche und öffentlichkeitswirksame Aktionen wird gezielt Druck auf den Arbeitgeber ausgeübt, um die eigenen Forderungen durchzusetzen. Valery Alzaga organisierte mit diesem Ansatz in den USA Beschäftigte in der Gebäudereinigungsbranche, im Wachschutz sowie auf Flughäfen. Seit einigen Jahren ist sie in Europa aktiv und vermittelt ihr Wissen von Organizing an europäische Gewerkschaften – darunter auch an ver.di.

Dass die Ausgangssituationen und gewerkschaftlichen Kulturen sich in den verschiedenen Ländern stark unterscheiden, sieht Valery dabei nicht als Hindernis. „Workers are workers, bosses are bosses and power is always power“, lautete ihr Statement dazu. „Die entscheidende Frage ist: Wollen wir unter besseren Bedingungen arbeiten? Wollen wir eine starke Gewerkschaft? Dann müssen wir die Beschäftigten organisieren!“

Und genau da sieht Valery bei den deutschen Gewerkschaften gute Ansätze, aber auch Defizite. „Deutsche Gewerkschaften geben viel Geld für die Bildung ihrer Aktiven aus. Das ist sehr gut. Aber es kommt nicht nur darauf an, rechtliche Grundlagen zu vermitteln, sondern auch Wissen und Fähigkeiten, wie man Menschen organisiert.“ Oftmals mangele es an der Übertragung des Seminarwissens in die Praxis. „Die beste Form von Bildung ist der Kampf vor Ort, die Beteiligung an betrieblichen Kampagnen für bessere Arbeitsbedingungen.“

Wie Organizing im Einzelnen funktioniert, dazu konnte Valery in ihrem einstündigen Vortrag lediglich einige Stichworte liefern. So erläuterte sie kurz den Einsatz von so genannten Betriebslandkarten, die den Aktiven einen guten Überblick über die Beschäftigten im Betrieb liefern können. „Es geht darum, ein Team zusammenzustellen. Und da müssen wir natürlich ganz genau wissen, wer auf unserer Seite steht – und wer auf der Seite des Chefs!“

Einen entscheidenden Punkt nannte Valery noch, damit die Organisierung von Beschäftigten auch wirklich gelingen kann: „Um Leute dazu zu bringen, selbst für ihre Interessen aktiv zu werden, müssen wir ihnen eine Vision aufzeigen, wie es vor Ort besser werden kann. Nur dann werden sie bereit sein, sich zu engagieren.“

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